Die historisch-kritische Exegese

13.11.2009

Theologiestudenten beider großen christlichen Konfessionen lernten über einen Zeitraum von annähernd 100 Jahren, dass die historisch-kritische Exegese der einzig zulässige Zugang zum biblischen Text sei.

Besonders der Pentateuch, die fünf Bücher Mose, wurde in seine Quellen Jahwist, Elohist und Priesterschrift aufgeteilt. Das zentrale Merkmal war für die Aufteilung auf die ersten beiden Quellen der verwendete Gottesname, während für die Priesterschrift in erster Linie die Beschäftigung des Textes mit dem Tempel als maßgeblich galt. Von jüdischer Seite wurde gegen eine derartige Aufteilung des Wortes Gottes gekämpft. Dabei wurde das nur dem Glauben zugängliche Argument, dass die Tora direkt von Gott gegeben wurde, durch rationale Erklärungen verstärkt. Die unterschiedlichen Gottesnamen weisen auf die Betonung verschiedener Eigenschaften des Ewigen hin, wobei das Tetagramm für seine Gnade und Elohim für sein Gericht steht. Vor allem wurde zutreffend festgestellt, dass zwei Exegeten nie zu gleichen Ergebnissen kamen. Heute gilt die historisch-kritische Exegese nur im Christentum nur noch als ein möglicher Ansatz zur Interpretation, dafür müssen zukünftige Rabbiner sich im Rahmen ihres Studiums mit ihr beschäftigen.